Besinnung zur Schulversammlung



 

Jeden Mittwochmorgen findet für die Schüler und Schülerinnen ab der siebten Jahrgangsstufe eine Schulversammlung statt, die der Gesamtschulleiter und die Schultheologin leiten. Hier werden wichtige Informationen zum Schulleben weitergegeben und der Tag mit einer kleinen christlichen Besinnung begonnen.

 

Antworten

Liebe Schülerinnen, liebe Schüler!
Was erwarten 10.Klässler vom Religionsunterricht?
Als ich  letzte Woche meiner 10.Klasse verschiedenen Lernziele zum Religionsunterricht vorlegte und die Schüler bat zu bepunkten, welche Ziele ihnen besonders wichtig wären, ergab sich folgendes Ergebnis. Konkrete Lebenshilfe erwarteten die Schüler vom RU weniger, Information über das Christentum und andere Religionen, das war selbstverständlich, aber besonders wichtig war für sie, dass der Religionsunterricht den Anruf Gottes zur Sprache bringt und christliche Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit gibt.
Ich war ehrlich überrascht. Nicht nur, dass diese Umfrage all diejenigen Lügen straft, die behaupten, Jugendliche wäre wenig verantwortungsbewusst und würden sich nicht für Gesellschaft und Politik interessieren. Überrascht hat mich die Tatsache, dass vom Religionsunterricht relevante Antworten erwartet werden und dass junge Menschen bereit sind, sich von Gott etwas sagen oder gar sich Infragestellen zu lassen.
Als ich nachfragte, was denn für sie die Herausforderungen unserer Zeit seien, kam als erstes die Wirtschaftskrise. Verständlich! Jede Nachrichtensendung berichtet von der drohenden Pleite Griechenlands und dem Schuldenberg der USA. Und doch rutschte mir das Herz in die Hose. Welche Antworten kann hier ein Religionslehrer geben, wenn die Klugen und Weisen dieser Welt, die Politiker und Wirtschaftsexperten keine Antwort zu wissen scheinen?
Jesus war ein Mann der einfachen Worte. Was hätte er uns geantwortet?
Vermutlich hätte er gesagt: „Ihr wisst es doch schon längst, was gesagt ist: „Du sollst Gott deinen Herrn lieben, und  du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!“ Und: „Was du einem der Geringsten getan hast, das hast du mir getan.“
Jesu Antwort ist also einfach. Sorge dich nicht um deinen eigenen Reichtum  und Wohlstand, sondern sorge für diejenigen, die in Not sind.“
Kompliziert ist nicht die Antwort, kompliziert sind wir Menschen. Denn genau das, was so einfach klingt, fällt uns so wahnsinnig schwer.
Ein Beispiel: Die europäischen Staaten sind sich einig. Um Börsenspekulationen zu unterbinden braucht es eine Finanztransaktionssteuer. Letzte Woche ist die Einführung einer solchen Steuer europaweit gescheitert, weil Großbritannien sich querlegt aus Sorge um seine eigene Vormachtstellung auf dem Finanzmarkt. Wenn nur einer, die eigenen Interessen über die der anderen stellt, wird´s kompliziert und ungerecht. Das ist im Großen so, wie im Kleinen.
Jeder weiß, dass H& M nur deshalb so billige Jeans und Mode anbieten kann, weil bei der Produktion Mensch und Natur ausgebeutet werden. Und trotzdem habe auch ich – wider besserem Wissen – letzten Freitag dort eingekauft. Natürlich könnte ich jetzt sofort tausend Gründe nennen, warum das durchaus vernünftig war und mit solchen Gründen beruhige ich auch mein Gewissen, aber letztlich weiß ich doch. Mein Schnäppchenkauf lässt irgendwo auf der Welt Menschen mit hungrigen Mägen zurück.   
Jesu Antwort auf die Finanzkrise ist also einfach und zugleich eine Zumutung an uns Menschen. Denn wir Menschen sind einfach egoistisch veranlagt. Und wenn nur einer seinen Reichtum hortet, da können die anderen so viel teilen wie sie wollen, dann wird das ganz System ungerecht und die Antworten auf die Krise schwierig.
Ihr müsst für euch selbst entscheiden, ob ihr Jesu Antwort für unsere Zeit als hilfreich anseht oder eher als phantastische Spinnerei ohne Realitätsbezug.
Für mich sind Jesu einfache Worte wie Fixsterne, die mir immer wieder anzeigen in welche Richtung wir Menschen gehen müssen. Diese einfachen Worte helfen mir, die Ereignisse auf der Welt und mein eigenes Verhalten immer wieder neu und richtig einzuschätzen. Ich bin nicht so naiv, dass ich glaube, die Wohlhabenden der Welt würden jemals ganz locker mit den Ärmsten der Welt teilen, da reicht ein Blick nach Amerika und da kenne ich mich selbst viel zu gut. Aber ich hoffe darauf, dass das, was wir Menschen nicht schaffen, bei Gott möglich ist.  
Und solange ich in einer Welt lebe, in der es keine einfachen Antworten gibt, halte ich mich an Paulus, der im Philipperbrief schreibt- übrigens die Tageslosung für heute!:
„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde, an Erkenntnis und Erfahrung, so dass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi.“ (Philipper 1,9-10). Amen.

Jesus sagt:
„Du sollst Gott deinen Herrn lieben, und  du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!“ (nach Lk.10,27)
 Und: „Was du einem der Geringsten getan hast, das hast du mir getan.“ (nach Mt.25,40)


Tageslosung für den 21.September:

„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde, an Erkenntnis und Erfahrung, so dass ihr prüfen könnt, was das Beste sei, damit ihr lauter und unanstößig seid für den Tag Christi.“
                                                                                     (Philipperbrief 1,9-10)
 

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