Besinnung zur Schulversammlung |
Besinnung zur Schulversammlung am 6. und 13.7.2010
Jeden Dienstagmorgen findet für die Schüler und Schülerinnen ab der siebten Jahrgangsstufe eine Schulversammlung statt, die der Gesamtschulleiter und die Schultheologin leiten. Hier werden wichtige Informationen zum Schulleben weitergegeben und der Tag mit einer kleinen christlichen Besinnung begonnen. Liebe Schülerinnen, lieber Schüler!
Es hatte über 30 Grad als ich letzten Samstag überlegte, worüber ich heute in der Schulversammlung reden solle. Vielleicht hat mich deshalb die Titelseite des Evangelischen Sonntagsblattes so angesprochen.
![]() „Ich habe Glück gehabt.“, unter dieser Überschrift erzählt der Extrembergsteiger Hans Kammerlander, warum er immer wieder größte Strapazen und echte Lebensgefahr auf sich nimmt, um die höchsten Berge der Welt zu erklimmen. Vom Interviewer gefragt, wie es ihm gelänge solche Höchtsleistungen zu vollbringen und mit welcher Philosophie er die Berge besteige, antwortet er etwas Interessantes: „Sehen Sie, manche Bergsteiger benutzen immer noch eine Art Kriegsberichterstattung, wenn Sie von Ihren Touren erzählen: Die haben gekämpft und den Gipfel mit letzten Kräften erreicht. So etwas gefällt mir nicht. Ich kämpfe nicht, sondern ich löse eine Aufgabe. Ich freue mich an meinen Bewegungen. In der Wand auf dem Weg noch oben ist es jedes Mal eine Freude, einen Haltepunkt zu finden. Das sind ununterbrochene Freuden auf dem Weg zum Ziel. Und es wird nicht langweilig.“ Wir an der Schule haben keine 8000er zu bezwingen, aber auf dem Weg durch das Schuljahr sind auch wir kurz vor dem Gipfel angekommen. Die Sommerferien winken schon in der Ferne. Ich weiß nicht, wie ihr dieses Schuljahr angegangen seid, eher kämpferische, mit dem Ziel euren eigenen Schweinehund und den Lernstoff zu bezwingen, oder eher mit Freude und Neugier auf die herausfordernden Aufgaben, die es in einem Schuljahr so zu lösen gilt. „Ich habe Glück gehabt.", sagt Hans Kammerlander. Dass er so positiv von seinem Leben reden kann, hängt bestimmt auch mit seiner Bergsteigerphilosophie zusammen. Wer die Probleme des Lebens, nicht als Angriff versteht, die es abzuwehren gilt, sondern als Aufgaben, deren Lösung Freude und Bestätigung schenken können, der kann vieles im Leben viel positiver sehen. Die Einstellung, mit der man sich auf den Weg macht, verändert den Weg und die Erfahrungen, die man macht. Es würde mich freuen, wenn ihr in diesem Schuljahr nicht nur Kampf mit dem Lernstoff und Selbstüberwindung erlebt hättet, sondern auch Freude am Lernen und vor allem Freude, wenn ihr einen Haltepunkt erfolgreich erreichen konntet. „Ich habe Glück gehabt.“, sagt aber auch der Mann, der seinen letzten 8000er Gipfel deshalb nicht besteigen wird, weil er dort bei seinem letzten Besteigungsversuch zwei seiner Kameraden verloren hat. Hans Kammerlander weiß, dass es absolut nicht selbstverständlich ist, dass er noch lebt. Trotz des Verlustes der Freunde und trotz des Wissens, dass er es nicht in seinem Leben geschafft hat alle 8000er der Erde zu besteigen, nennt er heute sein Leben glücklich. Wir Christen sagen dazu Gnade. Wer so von seinem Leben reden kann ist ein begnadeter Mensch. Ein Sinnbild dieses begnadeten Lebens voller Lebensfreude ist für mich der berühmt gewordene Kopfstand, den Hans Kammerländer auf dem 8586 Meter hohen Kangchendzönge machte. ![]() Ich würde mir wünschen, dass wir alle mit so viel Lebensfreude die letzten Wochen des Schuljahrs meistern, im Wissen darum, dass Glück immer sowohl eine Lebenseinstellung als auch ein Geschenk ist. Wir alle leben aus der Gnade Gottes. Oder wie es der Evangelist Johannes in der Tageslosung für heute sagt:
Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade (Joh.1,16)
Amen. |
|||||