Portfolio



Arbeit mit dem Portfolio

Schatzsuche statt Fehlerfahndung – die beiden Nürnberger Portfolios

Wenn sich heute ein Journalist bei einem Verlag bewirbt, legt er neben seinen üblichen Unterlagen wie Zeugnissen, Abschlüssen, Lebenslauf usw. immer seine Mappe, sein Portfolio, vor. Dieses Portfolio enthält u.a. Veröffentlichungen, Auszeichnungen, Nachweise über besondere Tätigkeiten, alles das, was den Bewerber von anderen Bewerbern positiv unterscheidet. 

 
Jede angelsächsische Universität verlangt von ihren Studienanfängern entsprechende Referenzen, die nachweisen, dass der zukünftige Student neben seinen üblichen in Zeugnissen festgehaltenen Leistungen mehr gemacht hat als nur die Pflicht. Ehrenamtliche Tätigkeiten für die Gesellschaft werden dabei besonders gewürdigt. 
 
Auch die Nürnberger Haupt- und Mittelschulen haben den Wert  außerunterrichtlicher Tätigkeiten erkannt und sind dazu übergegangen,  in den Zeugnissen solche Leistungen zu würdigen oder zumindest zu erwähnen. So wird bestätigt, wer Schulsprecher, Klassensprecher, Streitschlichter, Schulsanitäter oder Schülerlotse war, oder auch, wer sich im Schulgarten, im Schülercafé oder bei der Schulhausgestaltung engagierte.  
 
In der Regel dokumentiert das Schulzeugnis jedoch nur besondere schulische Leistungen, nicht aber die außerschulischen Erfolge wie z.B. Tätigkeiten bei der freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein oder in der Kirchengemeinde.  Umgekehrt trägt es geradezu zwangsläufig zur individuellen Persönlichkeitsbildung bei, neben der Arbeit in der und für die Schule auch in der Freizeit sinnvoll tätig zu sein. 
 
Damit die Nürnberger Hauptschüler nun von Anfang an lernen, sich selbst zu managen, sich selbst Aufgaben zu stellen und diese auch zu dokumentieren, erhalten sie von der 5. Klasse an das Nürnberger Portfolio.  Die beiden Portfolio-Mappen, von berufserfahrenen Nürnberger Hauptschul-Lehrkräften erarbeitet, versuchen die lehrplangemäßen Aufgaben zur Berufsvorbereitung komprimiert darzustellen und Lehrkräften wie Schülern einen „roten Faden“ zum Aufbau von allgemeinen und speziellen, berufsvorbereitenden Schlüsselqualifikationen an die Hand zu geben.  
 
Portfolio Band 1 „Mein Weg“ für die 5. und 6. Jahrgangsstufe dokumentiert die Leistungen des einzelnen Schülers mit Checklisten, Bestätigungen und Beschreibungen der Aktivitäten, die über die schulische Pflicht hinausgehen.  In diesem Portfolio dokumentiert der Schüler seine Schritte zum Erwerb altersgemäßer Arbeitstugenden und Sozialkompetenzen; er belegt seine Qualifikationen mit Arbeitsbeispielen, wie dem Nachweis seines verantwortungsvollen Umgangs mit dem eigenen Schriftwesen, der Entwicklung seiner Lernstrategien und dem Treffen von Lernvereinbarungen, seiner Mitarbeit in einer Arbeitsgemeinschaft oder seiner Beteiligung am Jahresprojekt . 
 
Auf diese Weise sollen unsere Hauptschüler/innen von Anfang an lernen, eigene Lernfortschritte, eigene Aktivitäten selbst zu planen, auszuführen und zu dokumentieren. So sollen sie zur Selbstständigkeit geführt werden.

Band 2 des Nürnberger Portfolios  „Mein Weg zur Ausbildung“ für die Jahrgangsstufen 7 – 9 dient dem Erwerb der Ausbildungs- und Berufswahlreife.  Hier dokumentieren die Schüler/innen ihre Stärken, die Profile ihrer Zielberufe, ihre Bewerbungsunterlagen, ihre Zertifikate aus Praktika, Projekten und Arbeitsgemeinschaften, ihre außerschulisch erworbenen Qualifikationen und, im Mittelpunkt, ihre Schritte zur Berufsfindung sowie ihre Aktivitäten hierzu mit den dazugehörigen Unterstützungsorganisationen. 
Insoweit bilden die beiden Mappen also auch eine fundierte Informations- und Arbeitsgrundlage für das Übergangsmanagement und den Bewerbungsvorgang in der Jahrgangsstufe 9. 
Zusammen mit verschiedenen Projekten, z.B. SCHLAU, QUAPO, HS-POWER, Fit for Quali, den Werkstatt-Tagen an den Berufsschulen und dem gesamten Übergangsmanagement für alle Schulabgänger/innen durch das Amt für berufliche Schulen in Kooperation mit der Agentur für Arbeit entsteht ein einmaliger Weg der Begleitung und Förderung unserer Nürnberger Hauptschüler/innen auf ihren Wegen in der Schule und in der Ausbildung. 
 
Die beiden Portfolios heben ab auf Selbstwirksamkeit und sollen alle Schüler/innen zur Freude an der Leistung motivieren. Die eigenverantwortliche Kontrolle für das Portfolio liegt überwiegend beim Schüler selbst, der Lehrer leistet hier Hilfestellung. 
 
Im Portfolio wird weder benotet noch selektiert, hier gilt die pädagogische Grundweisheit: Wenn Selektion und Benotung in den Hintergrund treten, können sich Lernen,  eigener Erfolg und die Freude darüber entfalten.  
 
Auf diese Weise können die beiden Mappen für die Schüler zu einer „Schatztruhe“ werden, in der schulische und außerschulische Qualifikationen in Form von Zertifikaten gesammelt werden können („Portfolio“).
 
Begleitinformationen: 
 
(1)  Dank der Unterstützung durch die Stadt und die Dr.-Theo-Schöller-Stiftungen werden die Mappen ab dem Schuljahr 2007/2008 allen Nürnberger Hauptschülern zur Verfügung gestellt; ab dem Schuljahr 2008/2009 dann jeweils allen Schülern und 
Schülerinnen der Jahrgangsstufen 5 und 7. 
 
(2)  Die Mappen werden ab dem Schuljahr 2007/2008 in allen Hauptschulklassen verbindlich eingesetzt und verwendet.  
 
(3)  Die darin enthaltenen „Fahrpläne“ wollen Lehrer und Schüler durch alle Jahrgangsstufen begleiten, nennen spezifische Beispiele aus den Lehrplänen (insbesondere Arbeit-Wirtschaft-Technik), geben Hinweise auf die Notwendigkeit und die Förderung von Methodenkompetenzen, unterstützen den individuellen Entwicklungsprozess der Schüler - z.B. Entwicklung persönlicher Interessen, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Kompetenzentwicklung, Lernvereinbarungen, reflektierte Wahl von Wahlpflichtfächern und Arbeitsgemeinschaften - und fördern die Eigenverantwortlichkeit der Schüler für ihren Bildungsweg. 
 
(4)  Die Arbeit mit den beiden Portfolio-Mappen soll ein für alle Nürnberger Hauptschüler/innen geltendes gleichmäßiges Niveau der Berufsvorbereitung schaffen.  
 
Dabei ist Folgendes festgelegt: 
 
− Für die Jgst. 7 ein  Orientierungspraktikum und die Einführung des Planungs- und Steuerungsbogens. 
− Für die Jgst. 8 eine Berufsberatung für alle Schüler, ein Betriebspraktikum bzw. mehrere Betriebspraktika sowie  Betriebserkundungen, Werkstatt-Tage als Angebot der Nürnberger Berufsschulen und die Fertigstellung individueller
Bewerbungsunterlagen. 
− Für die Jgst. 9 individuelle Praktika, die Möglichkeit zur Teilnahme an dem Projekt SCHLAU sowie das Übergangsmanagement Hauptschule/Berufsschule mit Beratungs- und Informationstagen in Kooperation mit der Agentur für Arbeit.

 

Unsere Umsetzung

Die jahrgangsspezifische Umsetzung der Vorgaben führt an unserer Schule zu folgenden Inhalten des Portfolios:

Jahrgangsstufe 5/6
•    Meine Schule (Flyer, Profil, Ansprechpartner)
•    Steckbrief mit Ich-Stärken
•    Selbsteinschätzung (Fragebogen)
•    Klassenvertrag (Klassenregeln)
•    Lernen Lernen

Jahrgangsstufe 7
•    Meine Schule (Flyer, Profil, Ansprechpartner)
•    beruflich orientierter Steckbrief (Interessen, Fähigkeiten, Hobbies)
•    Selbst-/Fremdeinschätzung
•    Betriebserkundung
•    Berufsbilder vorstellen (D)
•    Tischbohrmaschinenführerschein (GtB)
•    Schulküchenführerschein (HsB)
•    Ernährungsexperte (HsB)
•    Sportabzeichen (Sp)
•    Regelklassen: berufsorientierende Praktika (Dokumentation und Beurteilung)
•    M-Klassen: BiLi

Jahrgangsstufe 8
•    Meine Schule (Flyer, Profil, Ansprechpartner)
•    Schülertitelblatt
•    Steuerungsbogen
•    Selbst-/Fremdeinschätzung
•    Meine Lernplanung
•    Fahrplan Berufsfindung
•    BIZ-Unterlagen
•    Bewerbungsunterlagen
•    Zeugniskopien
•    Praktikumsbestätigungen
•    Meine speziellen Qualifikationen
•    Zertifizierung besonderer Dienste (GtB)
•    „Benimm ist in" (HsB)
•    „Spülmaschine ja - aber richtig!" (HsB)

Jahrgangsstufe 9
•    Meine Schule (Flyer, Profil, Ansprechpartner)
•    Ich-Plakat
•    Planungs- und Steuerungsbogen
•    Selbst- / Fremdeinschätzung
•    Bewerbungsunterlagen
•    Zeugniskopien
•    Meine speziellen Qualifikationen (schulisch und außerschulisch)
•    Serviceführerschein (HsB)
•    Prüfungspräsentation (HsB)
•    Schüler-Leistungsschreiben (KtB)

Jahrgangsstufe 10
•    aussagekräftiger persönlicher Steckbrief (frei gestaltet)
•    Stärken- / Schwächenprofil (Selbst- / Fremdeinschätzung)
•    Bewerbungsunterlagen (inkl. Zeugnisse 9./10. Klasse)
•    Praktikumsbericht mit Auswertung
•    „Karrierefahrplan"
•    (ggf. Planungs-/Steuerungsbogen)
•    (ggf. Lernvereinbarungen)
•    Projektbeteiligung (GtB)
•    Schüler-Leistungsschreiben (KtB)
•    Eventmanager (HsB)